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Reformierter Glaube
(Interview mit Milan Opocenski, Ref. Weltbund)
"ist ein Glaube der Bewegung, der ständigen Rückbesinnung:
Unser Ausgangspunkt ist und bleibt die Hoffnung auf das Königreich
Gottes, das niemanden ausschließt, welcher Konfession, Religion
oder Ideologie er oder sie auch immer angehören mag. Deshalb
haben Reformierte ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl
für die Schöpfung, für das Gesellschaftliche, für
das Politische. Und darum sind wir permanent unzufrieden mit dem
Zustand dieser Welt und unserer Kirchen, weil sie der Gerechtigkeit
Gottes nie genügen. Kurz: Die Reformation geht weiter."
1517 macht Luther mit seinen 95 Ablassthesen die Reformation zum
Tagesgespräch. Welche Thesen müsste man heute anschlagen?
Thesen zu den fünf brennenden Weltproblemen, die der Reformierte
Weltbund als Herausforderungen für das reformierte Bekenntnis
bezeichnet hat. Zu den Umweltkatastrophen und Massenvernichtungswaffen,
weil sie die Schöpfung als Ganzes in Frage stellen. Zur Macht
des Patriarchats, weil es die Menschenwürde der Frau herabsetzt.
Zur globalen Ökonomie, die immer mehr Menschen von der Gerechtigkeit
ausschließt. Zum Rassismus, weil dieser die Gottesebenbildlichkeit
aller Menschen leugnet. 1982 hat der Reformierte Weltbund die Apartheid
zur Sünde erklärt und damit zur Bekenntnisfrage gemacht
(status confessionis). Jetzt stehen wir mitten in einem Bekenntnisprozess
(processus confessionis) zu den verheerenden Folgen der Globalisierung:
"Steht nicht das Evangelium auf dem Spiel, wenn praktisch ein
ganzer Kontinent, Afrika, aus der Weltwirtschaft ausgeklinkt wird?",
fragen beispielsweise die afrikanischen Reformierten immer drängender.
50 Jahre christliche Ökumene und immer noch keine Einheit
in zentralen Fragen wie etwa der Frauenordination: Was wurde dennoch
erreicht?
Wir haben entdeckt, dass wir nicht nur Konfessionen angehören,
sondern auch einer weltweiten Gemeinschaft aller christlichen Kirchen.
Gleichzeitig sind wir zusammen mutiger geworden: Wir wagen uns an
die brennenden Fragen der Menschheit heran, fordern "Gerechtigkeit,
Friede und Bewahrung der Schöpfung". Konfessionen werden
aber parallel dazu wohl noch lange Zeit weiter bestehen, weil sie
nun mal zu unserer Identität gehören: Es sind unsere Häuser
der Ahnen.
Aus: Kirchenbote Anton St. Gallen, 10/99
Reformierter Weltbund
World Alliance of Reformed Churches
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