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Was ist überhaupt reformiert

und was verbindet die 75 Millionen Reformierten weltweit? Fragen an Milan Opocenski, Generalsekretär des Reformierten Weltbundes in Genf, der Ende März 2000 von seinem Amt zurücktrat.
 

 

 

 

 

 


Milan Opocenski

 

Reformierter Glaube
(Interview mit Milan Opocenski, Ref. Weltbund)

"ist ein Glaube der Bewegung, der ständigen Rückbesinnung: Unser Ausgangspunkt ist und bleibt die Hoffnung auf das Königreich Gottes, das niemanden ausschließt, welcher Konfession, Religion oder Ideologie er oder sie auch immer angehören mag. Deshalb haben Reformierte ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl für die Schöpfung, für das Gesellschaftliche, für das Politische. Und darum sind wir permanent unzufrieden mit dem Zustand dieser Welt und unserer Kirchen, weil sie der Gerechtigkeit Gottes nie genügen. Kurz: Die Reformation geht weiter."

1517 macht Luther mit seinen 95 Ablassthesen die Reformation zum Tagesgespräch. Welche Thesen müsste man heute anschlagen?
Thesen zu den fünf brennenden Weltproblemen, die der Reformierte Weltbund als Herausforderungen für das reformierte Bekenntnis bezeichnet hat. Zu den Umweltkatastrophen und Massenvernichtungswaffen, weil sie die Schöpfung als Ganzes in Frage stellen. Zur Macht des Patriarchats, weil es die Menschenwürde der Frau herabsetzt. Zur globalen Ökonomie, die immer mehr Menschen von der Gerechtigkeit ausschließt. Zum Rassismus, weil dieser die Gottesebenbildlichkeit aller Menschen leugnet. 1982 hat der Reformierte Weltbund die Apartheid zur Sünde erklärt und damit zur Bekenntnisfrage gemacht (status confessionis). Jetzt stehen wir mitten in einem Bekenntnisprozess (processus confessionis) zu den verheerenden Folgen der Globalisierung: "Steht nicht das Evangelium auf dem Spiel, wenn praktisch ein ganzer Kontinent, Afrika, aus der Weltwirtschaft ausgeklinkt wird?", fragen beispielsweise die afrikanischen Reformierten immer drängender.

50 Jahre christliche Ökumene und immer noch keine Einheit in zentralen Fragen wie etwa der Frauenordination: Was wurde dennoch erreicht?

Wir haben entdeckt, dass wir nicht nur Konfessionen angehören, sondern auch einer weltweiten Gemeinschaft aller christlichen Kirchen. Gleichzeitig sind wir zusammen mutiger geworden: Wir wagen uns an die brennenden Fragen der Menschheit heran, fordern "Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung". Konfessionen werden aber parallel dazu wohl noch lange Zeit weiter bestehen, weil sie nun mal zu unserer Identität gehören: Es sind unsere Häuser der Ahnen.

Aus: Kirchenbote Anton St. Gallen, 10/99

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